Freitag, 27. Mai 2011

Eindrücke als Frau

Nun trage ich seit 14 Tagen konsequent ein Kopftuch in der Öffentlichkeit und habe mich mich zumindest wie min. 50% der Perserinnen (die es aus der Pflicht heraus tun und nicht freiwillig) damit arrangiert. Morgens und Abends wird das Tuch farblich der restlichen Garderobe nach ausgewählt und mit der Sonnenbrille so fixiert, damit es nicht permanent davon flutscht. Einen Vorteil hat es ja, ich spare jede Menge Zeit für das "Aufbrezeln" ein. Die Frisur sitzt immer. Dennoch bwundere ich viele der Iranerinnen, die kunstvoll ihre Haare zurecht drappieren und das Kopf elegant darüber legen. Heute habe ich auf dem Bazar in Kerman ein Schaufenster fotografiert, dass mehrere Modell-Kopftuch-Frisur-Varianten zeigte. Vielleicht wird Michael das Foto noch hochladen ;-).
Auch einen Tschador habe ich mehrmals getragen, um in besonders heilige Moscheen eingelassen zu werden. Es war für mich eine sehr interessante Erfahrungen. Natürlich ist es zunächst ungewohnt, umständlich, heiß und befremdlich. Aber kaum war das religöse Teil umgelegt, fiel ich kaum noch auf, wurde eine von vielen und konnte mich nahezu ungehindert in der Moschee bewegen. Besonders bemerkenswert ist für mich die Erfahrung, dass der Anblick von verhüllten Frauen das Befremdliche verloren hat und die Frauen einfach wieder Frauen wurden.
Auch die Erfahrungen in den Moscheen waren unerwartet. Dort wird nicht nur gebetet sondern meditiert, philosophiert, geredet, diskutiert oder einfach nur "gequatscht". Es ist ein Ort des Austausches, der Gemeinschaft, des Gespräches und der Religion.

Als Frau werde ich von Männern nicht per Handschlag oder sonstiger Gestik begrüßt. Diese Form der Kontaktaufnahme schickt sich nicht. Dennoch ist mir noch in keinem Land soviel Freundlichkeit entgegen gebracht worden. Ich werde (Michael und Thorsten natürlich auch) ganz häufig einfach auf der Straße angesprochen, aus welchem Land ich komme und willkommen geheißen. Iranerinnen bitten mich, um ein Foto mit ihnen, oder Familien oder Frauengrüppchen, die häufig an öffentlichen Orten anzutreffen sind. Es entstehen freundlich und lustige Situationen und enden fast immer mit einer Einladung zu sich nach Hause.

Noch ein kultureller Aspekt zum Tag. Auf dem Weg nach Yazd haben wir in einer Karawanserei Teepause gemacht. Marco Polo soll schon dort verweilt haben. Die Karawanserei ist als Hostel/Hotel zurecht gemacht worden. Besonders beeindruckend waren die super alten Vorhang(fetzen), die sehr dekorativ mit neuen Vorhängen zusammendrappiert wurden. Darüber hinaus schmückten sehr viele historische Assessoires, wie zum Beispiel Krüge, Teppiche, Lampen und ein wunderschöner vergoldeter Samowar die Lokalität. Das Hotel ist bestens für Festivitäten jeder Art geeignet. Es liegt natürlich mitten in der Wüste Lut, so dass Tanzen und Singen möglich ist. Wir wären gerne über Nacht geblieben, haben uns aber weiter Richtung Yazd begeben, um dort in einem luxeriösen 1001 Nacht Hotel einzuchecken und bei romantischem Froschkonzert ein köstliches persisches Mahl einzunehmen. Und einen unglaublich guten Cappucino zu trinken.

Bis bald

Dagmar und Michael

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